Wie ich KEINE Leichtathletin wurde

Das Stadion war bis auf den letzten Platz gefüllt. 20.000, nein mindestens 50.000 Menschen johlten mir zu. „Pippi, Pippi“ und „Petzi, Petzi“. Der Klang der vielen tausend Stimmen machte mich high.

Siegessicher schlenderte ich zu den Startblöcken, der Menge die verdienten Kusshände zuwerfend. Aus den großen Lautsprecherboxen erklang „„Conquest Of Paradise“ – lange Zeit vor Henry Maske und Vangelis. Kurz vor dem Start wurde es dann jedoch mucksmäuschenstill. Da fiel der Startschuss. „Peng!“ Ich rannte los – und um mein Leben.

Ich nahm die Innenbahn. Die Menge schrie, ich lief wie im Traum. Dann das Hindernis. Es war groß. Und hoch. Ziemlich hoch. Zu hoch für ein 9jähriges Mädchen, welches noch nicht den ersten großen Wachstumsschub hinter sich hatte (der kam erst mit 12, aber ich schweife ab). Ich kletterte auf das Hindernis, dann plumpste ich hinunter. Und da war er. Der Wassergraben! Ein mindestens gefühlt 10m tiefes Wasserloch, in dem ein kleines 9jähriges Mädchen fast verschwand. Ich war total nass bis auf die Knochen.

Triefend und breitbeinig wie John Wayne stakste ich in Richtung „Umkleide 2, Mädchen, Bundesjugendspiele“. Das Publikum war plötzlich ganz still. Im Stadion befanden sich nun auf einmal nur noch einige Mütter und Väter, die ihre Sprösslinge zu den Spielen begleitet hatten.

In Umkleide 2 traf ich auf Renate, die „Hey Pippi Langstrumpf, trallari trallahey tralla hoppsasa“ summend, versuchte, sich zwei Zöpfe zu flechten. Und auf Bärbel, die an ihrem Flutschfinger schleckte. Ich war wieder in meiner Welt.

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