Der Berg ruft

Keines meiner Hobbies ist Skifahren. Ich habe nichts gegen diese beliebte Wintersportart – muskulöse Sportlerbeine, männlich wie weiblich, in engen Skihosen finde ich sehr sexy. Aber es ist eben nicht so meins.

Die höchste Erhebung meiner Heimatstadt Oldenburg ist 8m ü NHN. Und im norddeutschen Winter boßelt man häufiger auf einer Kohlfahrt als sich Skier anzuschnallen. Das sieht nicht nur doof aus, man kommt auch nicht so weit, wenn es wie üblich in Strömen regnet.

Dennoch, ich hatte meine Chance: In der 9. Klasse machten wir eine einwöchige Klassenfahrt in den Schwarzwald zum dortigen Feldberg, der mit einer Höhe von knapp 1500 m für ungeübte norddeutsche Schüler durchaus eine Herausforderung darstellt. Um es kurz zu machen, hier meine Highlights:

1. Wie ich nach rasanter Fahrt (hier muss man sich auf die subjektive Empfindung der Autorin verlassen) im Zielbereich meine Mitschülerin Elke und unseren dicken Bio/Sportlehrer gecrasht habe. Aufgrund seines natürlichen Airbags blieb Herr Meier ebenso unverletzt wie Elke, die die Zwangsumarmung mit unserem Lehrer vermutlich jedoch nicht so genossen hat. Ich aber auch nicht.

2. Wie ich aus dem Tellerlift fiel.
Ok, kurze Anmerkung dazu: Ganz sicher war auf meiner Spur eine extrem starke Unebenheit, die bei solch einem enormen Tempo einfach nicht zu überfahren war. Ich versuchte alles, jedoch war ein Sturz unvermeidlich. Ich rutschte den Berg hinunter. Als ich wieder hochkam, brauste der Applaus meiner Mitschüler auf. Man hatte mich schon abgeschrieben, aber wahren Helden kann auch ein mieser kleiner unbedeutener Tellerlift nichts anhaben. Jawoll! Übrigens durfte ich die „Berghochkomm“-Szene später noch häufiger sehen. Herr Meier hatte das Ganze mitgefilmt.

Meinen letzten Versuch, sich mit dieser Sportart anzufreunden, verdanke ich meinen damaligen Arbeitskollegen einer Münchner Werbeagentur. Das Skiwochenende fand jedes Jahr statt und war allseits beliebt.
Ich:“Ach, ich komme mir als Anfängerin unter euch Superskifahrern irgendwie blöd vor, ich komme nicht mit.“
Alle:“Du, wir sind eine ganz gemischte Truppe. Wir haben immer soviel Spaß, das wird super!“ Wir starteten dann also mit gefühlt ca. 50 Superskifahrer/innen und mir. Und Dörte. Dörte war mein Trost, als wir gleich zu Beginn einen Monsterberg hochklettern mussten – mit Skiern wohlgemerkt. Anschließend ging es steil hinunter. „Gleich wird’s besser!“, versuchte man uns aufzumuntern. Dörte und ich hielten tapfer durch, die Skier mittlerweile abgeschnallt, den Berg hinter uns lassend. Mit diversen Schneepflügen schafften wir den Vormittag und durften am Mittag endlich verdiente Brotzeit mit Jagertee in einer schmucken Almhütte machen. Und dann kam der Teil des Tages, der mich dann dazu brachte, das Skifahren endgültig aufzugeben. Es wurde neblig, Es wurde nebliger. Es wurde NOCH nebliger. Ich sah nichts. Gar nichts! Keine Piste, keinen Himmel, keine Dörte. Ich hörte keine Stimmen mehr, ich war allein… Mir kamen die Tränen. SO hatte ich mir den Abschied von dieser Welt nicht vorgestellt. Ich hatte doch noch so viel vor! Aber wie sollte ich mich fortbewegen, wenn doch möglicherweise direkt vor mir der steile Abhang war? In Gedanken fiel ich bereits 100m tief den Berg hinunter und zersplitterte in 1000 Teile. Ich rührte mich nicht von der Stelle. Gut, dann war’s das eben. Auf einmal spürte ich eine Hand an meinem Arm. Es war Birgit, die Art Direktorin aus dem 2. Stock in ihrem stylischen Skianzug. Birgit, meine Rettung, mein Engel. „Keine Angst, Petra, ich fahr ganz langsam vor und du fährst einfach hinter mir her.“

Vielleicht war es unfair, aber am folgenden Tag ließ ich Dörte allein mit dieser „ganz gemischten“ Truppe.

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